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Teaser / Rohmaterial aus der unveröffentlichten Doku LIKE A SICKNESS
Themenvorschlag Kultur/Musik/Biografie

Länge: 04:00 – 06:00 Minuten

Was hat Frank Zappa mit Deutschland, den Deutschen und der deutschen Wiedervereinigung zu tun?

Mehr, als man zunächst annehmen möchte – zumindest hat er ostdeutschen Rockfans schon vor dem Mauerfall die Chance eröffnet, sich aus der DDR zu verabschieden! Und auch darüber hinaus gibt es einiges, was ihn mit der deutschen Psyche zu verbinden scheint…

Im Dezember diesen Jahres, am 04.12.2018, jährt sich Zappas Todestag zum 25. Mal. Für uns ein Anlass, seinen Spuren in der deutsch-deutschen Vergangenheit nachzuforschen.

Ansatz 1:

Zappa als Beispiel für einen mentalen Fluchtpunkt, mit dessen Hilfe sich Musikfans in der DDR individuell aus der Reglementierung und Überwachung durch die Staatsorgane verabschiedet haben.

Interviews mit:

Peter Wawerzinek, Schriftsteller, Deutscher Buchpreis 2010
Ben Watson, britischer Musikjournalist und Autor
Bunk Gardner und Don Preston, Musiker der Mothers of Invention u.a.

Ansatz 2:

Erstmalige Veröffentlichung eines Interviews, in dem drei Musiker aus Zappas erster Band vor 25 Jahren, unmittelbar nach seinem Tod, über den Verlust, seine Bedeutung als Musiker und sein Gebaren als Bandleader sprechen.

Interviews mit:

den Ur-Mothers Jimmy Carl Black, Bunk Gardner und Don Preston

– am 07.12.1993, drei Tage nach Zappas Tod
– zwanzig Jahr später im Alter von 81 Jahren
– in diesem Jahr im Alter von 85 Jahren u.a.

Ansatz 3:

Vorstellen von F.Z. als Vertreter der Gegenkultur in den 60er Jahren. Charakterisierung der historisch unterschiedlichen Zappa-Rezeption von Fans in West- und Ost-Deutschland führt zur Geschichte des weltweit einzigen Zappa-Festivals in Norddeutschland, von Ost-Fans noch vor der Währungsunion gegründet. Die Frage, was Zappa und die Deutschen verbinden könnte wird mit Spekulationen über verwandten Wesenszüge zwischen Zappa und den Deutschen durch einige seiner ehemaligen Bandmitglieder beantwortet.

Thema / Moderation

Frank Zappa, dessen Todestag sich am 04.12.18 zum 25. Mal jährt, gilt als einer der wichtigen Komponisten des 20. Jahrhunderts – zumindest in Europa. Während er in der amerikanischen Kulturlandschaft so gut wie nicht vorkommt, wird sein klassisches Spätwerk hier in Europa von kleinen Ensemblen, großen Orchestern und, wie in diesem Jahr in Kiel und Stuttgart, von Staatstheatern aufgeführt.

Und sein rockmusikalisches Erbe wird ausgerechnet in einer nordostdeutschen Kleinstadt bewahrt, von einem mittlerweile weltbekannten Rockfestival, dass vor fast 30 Jahren von Ostdeutschen Fans noch in der DDR gegründet wurde. Da liegt es nahe zu fragen, was es mit Zappa und den Deutschen auf sich hat…

Beitrag / Textvorschlag

Frank Zappa ist ohne Frage eine Ikone des zwanzigsten Jahrhunderts. In den sechziger und siebziger Jahren war er einer der auffälligsten Vertreter der Gegenkultur. Mit deutlichen Worten und beissendem Humor entlarvte er den verkrusteten Patriotismus der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft. Die mediale Selbstinszenierung als innovativer Rockmusiker und politischer Querdenker machte ihn zur Projektionsfläche nicht nur der amerikanischen Jugendlichen.

In Westdeutschland mußte die Studentenbewegung aber schon 1968 einsehen, das Zappa der schnell einsetzenden Kommerzialisierung der Gegenkultur überaus kritisch gegenüberstand und sich von der aufkommenden Studentenbewegung nicht instrumentalisieren ließ.

  • Interview 1993, Bunk Gardner, Don Preston, Jimmy Carl Black
    Über Zappas Auftritt im (West-)Berliner Sportpalast 1968 und die dabei ausgebrochenen Gewaltexzesse

Von Jimmy Carl Black, Bunk Gardner und Don Preston ist Zappa Mitte der 60 Jahre in ihrer Band «Soul Giants» aufgenommen worden. In nur zwei Jahren hat Zappa daraus ein ungeheuer vielseitiges Orchester geformt, das seine eigenen, komplexen Kompositionen nachspielen mußte. Furchtlos mischte der Autodidakt, dessen größtes Vergnügen ein leeres, von ihm zu beschreibendes Notenblatt gewesen ist, traditionellen Blues mit 12-Ton Musik oder 50er Jahre Doo-Woop-Schlagermotive mit improvisierten Jazz-Elementen. Und das Ganze meist in ein und demselben Song.

  • Interview: Jean-Luc Ponty, französischer Jazz-Violinist, Ali N. Askin, deutscher Jazzmusiker und Filmmusikkkomponist,
    Über Zappas Ambitionen und Erfolge als klassischer Komponist, über die Besonderheiten seiner Kompositionen.

Während Zappa mit einer Rockband bis zum Ende der 80er Jahre regelmässig durch Westdeutschland getourt ist, waren seine Platten in der DDR verboten, an Live-Auftritt nicht zu denken. Die schnell wachsende Zappa-Gemeinde in Ostdeutschland fand ihre eigenen Wege, um seine LPs ins Land zu schmuggeln.

  • Interview: Peter Wawerzinek, Schriftsteller, Deutscher Buchpreis 2010, Michael Käckenmeister, Fan und Mit-Gründer der »Zappanale«
    Über den Weg der Schallplatten von Budapest in die DDR und die Schwierigkeiten der Plattentausch-Ringe

Unmittelbar nach dem Mauerfall nutzte ein Gruppe von ostdeutschen Zappa-Fans aus Rostock und Schwerin die neue Freiheit und veranstaltete eine Party zu Ehren ihres Idols. Aus dieser Feier mit 60 Gästen ist ein weltweit einzigartiges Musikfestival geworden, das sich ausschließlich von Frank Zappa komponierter und von ihm inspirierter Musik widmet. Seinen Durchbruch hatte das Festival in seinem 13. Jahr, als mit dem Aufstellen einer Büste von Frank Zappa aus dem Kur-Ort Bad Doberan Zappa-Town geworden ist.

  • Interview: Besucher der Zappanale, Jim Cohen, amerikanischer Übersetzer und Zappa-Experte aus München
    Über ihren ersten Besuch auf der Zappanale und die Bedeutung der 13. Zappanale für die Annerkennung des Festivals im Ausland.

Heute lassen sich auch viele ehemalige Musiker von Frank Zappa auf diesem Festival gerne noch einmal feiern. Einige sind schon in die Jahre gekommene Rentner, die den Respekt sichtlich genießen, der ihnen hier auf diesem Festivalgelände von den Besucher entgegengebracht wird. Die Musiker sind sind immer wieder erstaunt darüber, mit welcher Offenheit von dem Publikum hier jede Art von »Musik ausserhalb der Norm« aufgenommen wird.

  • Interview: Ernie Odoom, Sänger der französ. Band Le Bocal, Denny Walley, Slide-Gitarrist in Zappa-Band
    Über den Unterschied zwischen Musikfans in Amerika und Deutschland, über das Publikum auf dem Festival, das ruhig ist und zuhört

Auch Zappa selbst hat das Publikum und die Aufmerksamkeit, die ihm in Deutschland entgegengebracht wurde, geschätzt. In den siebziger und achtziger Jahren ist er hier zum Teil zwei- bis dreimal im Jahr auf Tour gewesen. Und seine Sänger hat er sogar immer wieder in deutscher Sprache singen lassen:

  • Interview: Festival-Besucherin, George Duke, Sänger und Keyboarder in Zappa-Band 1970-75, Robert Martin, Sänger und Saxophonist in Zappa-Band, 1981-88
    Über die »perversen« deutschen Texte, die George Duke singen musste, ohne sie zu verstehen. Und über die zwei Seiten von Zappas Persönlichkeit, die Robert Martin auch in den deutschen Zuhörern erkennen kann.

Das die Deutschen, oder zumindest einige von ihnen, neben einer strukturierten, kontrollierten Seite auch eine „wilde, dekadente“ Seite haben, kann man auf diesem Festival immer wieder erleben. Die Zuschauer hier sind Grenzüberschreitungen gewöhnt, als Liebhaber progressiver Rockmusik bejubeln sie chaotisch klingende Rhythmuswechsel genauso wie klassische Interpretationen mit Kontrabass und Bratsche – in barocker Kleidung.

Den Fans hier hat Frank Zappa schon in ihrer Jugend die Ohren geöffnet – und sie werden auch im nächsten Jahr wieder dabei sein, wenn Frank Zappa hier zum 30 Mal gefeiert werden wird.

  • Interview: James Fergusson aus Chicago, der schon zwölf mal nacheinander auf der Zappanale war und Besucher aus Kanada, Frankreich, USA und Schweden
    Über ihr dringendes Bedürfnis und den festen Plan, bis an ihr Lebensende in jedem Sommer wieder zu diesem Festival zurückzukehren.
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